Die Diskussion um den umstrittenen Kraftstoff E10 ist noch
lange nicht vorbei. Gerade wurde sie wieder befeuert durch
Entwicklungsminister Dirk Niebel. Der forderte, E10 abzuschaffen
angesichts von Dürre und Ernteausfällen in den USA und Indien,
steigenden Getreidepreisen auf dem Weltmarkt, die wiederum zur
Folge haben, dass für die Ärmsten dieser Welt der Teller immer
öfter leer bleibt. Ganz gleich nun, ob der FDP-Minister mit dieser
Forderung seiner Partei aus dem Dauertief helfen will oder sein
eigenes durch die Teppichaffäre angekratztes Image reparieren - sie
macht uns einmal mehr bewusst, dass Wirtschaft auch eine ethische
Komponente hat: In unserem Hörerforum im Journal am Mittag fragen
wir Sie: Tank oder Teller - Ist es moralisch
vertretbar, aus Nahrungsmitteln Sprit zu erzeugen?
Als E10 im vergangenen Jahr eingeführt wurde, verschlossen ihm die Autofahrer ihre Tanks - aus Angst, ihr Gefährt könnte einen Motorschaden davontragen. Mittlerweile tanken knapp 15% das Ethanol-Gemisch mit dem höheren Anteil aus nachwachsenden Rohstoffen, Tendenz steigend.
Denn: Wir haben ein Energieproblem. Es besteht darin, dass immer mehr Menschen immer mehr davon brauchen. Der Nachschub an fossilen Rohstoffen - allen voran Öl - ist jedoch endlich. Auch das lässt sich ja gerade wieder eindrucksvoll an den Zapfsäulen besichtigen.
Begriffe wie "nachwachsende Rohstoffe", "Photovoltaik", "Offshore-Windpark", "Biogaserzeugung" und "Netzausbau" sind mittlerweile in aller Munde - es geht um Fördergelder, mögliche Gefahren für die Gesundheit, Umweltverschandelung und im Falle von E10 auch um die Abholzung des Regenwaldes. Denn nicht nur heimische Rüben, sondern auch brasilianisches Zuckerrohr wird zur Ethanolgewinnung genutzt. Und manchmal auch Getreide.
Wo mehr Alkohol im Tank ist, muss weniger Öl rein. Gut so, denn die Rohstoffe für Alkohol resp. Ethanol werden nie alle. Aber manchmal knapp, so wie jetzt, wo Dürre in den Kornkammern der Erde Mais und Weizen vertrocknen lässt und auf den Weltmärkten die Preise hochtreibt.
Während wir aber den tieferen Griff ins Portemonnaie leicht verschmerzen - unser Problem ist bekanntlich zu viel Essen - leiden in anderen Gegenden noch mehr Menschen Hunger.
Bertolt Brecht dichtete 1928 für seine Dreigroschenoper den berühmten Satz: "Erst kommt das Fressen, dann die Moral". Um alternative Kraftstoffgemische ging es ihm dabei nicht. Aber vielleicht kann uns dieser Satz auch im Jahr 2012 noch etwas sagen: Etwa, dass es in unserer kleiner gewordenen Welt an uns ist, das Nahrungsmittelangebot sicherzustellen? Weizen und Mais also zurück auf den globalen Teller zu befördern, wenn dort Leere herrscht. Weil wir nämlich satt sind.
Oder entschuldigt die Suche nach umweltverträglichen und bezahlbaren Antriebsenergien auch in Dürrezeiten, wenn wir den Tiger im Tank mit Roggen und Rüben füttern?
Thema der Sendung "Hörerforum"
am Donnerstag, 23. August 2012, 13:05 Uhr:
Tank oder Teller: Ist es moralisch vertretbar, dass aus
Nahrungsmitteln Sprit erzeugt wird?
Sie können uns auch gerne über das Kontaktformular
oder an die E-Mail-Adresse figaroforum@mdr.de
schreiben.
Während der Sendung können Sie unter der Telefonnummer 0800 -
5599 884 zwischen 13:05 und 13:30 Uhr auch direkt im Studio
anrufen.
@ Solveig
Wenn jeder zu wissen glaubt, wo das eigentliche Problem liegt, heißt das nur, dass es sich wohl um ein komplexes Thema handelt, welches man von verschiedenen Seiten betrachten kann.
Dies liegt in der Natur der Sache.
Aber was ist denn eigentlich das Problem von E10?
Meines Erachtens liegt diesem zugrunde die Frage von Mobilität - wie gestalte ich diese so, dass sie nachhaltig, das heißt dauerhaft verträglich ist mit den Anforderungen von Natur, Mensch und auch nachhaltiger Wirtschaft (ohne diese können wir nun nicht über-leben; ohne diese können wir uns auch nicht weiterentwickeln) ist.
Vegan zu leben ist sicher sehr lobenswert - das hilft nur nicht bei der Frage nach Mobilität. Im E10 sind keine tierischen Produkte - zumindest wäre mir dies neu. ;-) Aber nun ernsthaft:
Der vegane/vegetrarische Lebensstil (leider oder auch nicht leider) ist nichts für die Mehrheit der Menschen - und löst insoweit das Problem nicht. Die Nachfrage nach Futtergetreide für Tiere steigt weltweit auch deshalb, weil in aufstrebenden Ländern (wie China, Indien) die neue Mittelklasse sich nun immer häufiger auch ein Stück Fleisch gönnt. Ich fände es sehr vermessen, von diesen Menschen zu verlangen, ihrerseits darauf zu verzichten und sich gleich mal unseren westlichen Vorstellungen von veganer/vegetarischer Kost anzuschließen.
Beim Fleischkonsum geht es in ärmeren Ländern gar nicht so sehr darum, unsere Konsumgewohnheiten nachzuvollziehen. Sondern dort ist Fleisch meist ausgesprochen teuer und viele können es sich nicht leisten. Deshalb ist Fleisch oft reserviert für Feiertage (vgl. islamisches Opferfest) und für den, der es sich häufiger leisten kann, ein Zeichen von Wohlstand.
Vegearismus/Veganismus eine westliche Idee? Abgesehen von religiösen Überzeugungen ist der bewusste Verzicht auf Fleisch ein Ausdruck des Überflusses. In Entwicklungsländern, in armen Regionen kommen die wenigsten auf diese Idee. Wenn man dort kein Fleisch ist, dann meist, weil es nicht verfügbar oder zu teuer ist. Kommt jedoch Besuch, dann werden viele sich in Unkosten stürzen und zur Feier und zur Würdigung des Besuches Fleisch einkaufen. Entsprechend wenig Verständnis hat man dort für unseren "Tick". Ich bin selbst Vegetarier und habe dies auf meinen Reisen in die sog. Dritte Welt sehr oft erfahren.
Aber auch in unserer Gesellschaft möchte nicht jeder vegan/vegetarisch leben. Und man kann die Menschen dazu auch nicht zwingen. Deshalb geht es aus meiner Sicht nicht um einen Totalverzicht (der nicht durchsetzbar und wahrscheinlich noch nicht einmal wünschenswert wäre), sondern darum, wie Fleischkonsum so gestaltet werden kann, dass er die Belange von Mitmenschen und Umwelt (incl. der Tiere) einbezieht.
Es stimmt, die Produktion von Futtergetreide steht in Landnutzungskonkurrenz zu Energiepflanzen und Nahrungsmitteln, die direkt auf dem Teller landen. Weniger Fleisch würde diese Konkurrenz verringern. Dennoch bleibt die Frage, ob in diesem Falle E10 eine sinnvolle Alternative wäre. Ich meine nicht - schon allein wegen des ausgesprochen geringen Wirkungsgrades von 5% und der insgesamt fraglichen Ökobilanz (s. mein Beitrag unten).
Wenn man schon ohne Landnutzungskonkurrenzen E10 für bedenklich hält, dann hilft auch der Verzicht auf Fleisch (und damit die "Freigabe" des Ackers für diese Energiepflanzen) in der Sache nicht weiter.
Lustig, dass jede(r) glaubt zu wissen, wo das eigentliche Problem liegt. Ich natürlich auch: Ich lebe vegan.
@Jygger: Es geht um Nahrungsmittel, die extra zu diesem Zweck hergestellt werden, um verfüttert zu werden. Der Nahrungsmittelüberschuss ist eine ganz eigene Sache, die diskutiert werden sollte...
Solange es aus hygienischen Gründen (in Groß- und Betriebsküchen, Restaurants) nicht vermeiden lässt Essensreste zu hinterlassen sehe ich es als moralisch verwerflich diese dem Kompost statt meinem Hausschwein zu überlassen.
Man könnte die Frage auch ander stellen: Ist es moralisch vertretbar, dass Nahrungsmittel an Tiere verfüttert werden?
Ich empfehle diesbezüglich diesen Artikel:
http://www.sueddeutsche.de/wissen/klimawandel-u...
Ich mache mir keine Gedanken über die Nutzung des Biosprits. Es ist lächerlich darüber zu diskutieren, wenn man verstanden hat, wo die wahren Probleme liegen.
Das kleine bisschen Ackerfläche, das für den Biosprit genutzt wird, ist doch vernachlässigbar klein gegenüber den Ackerflächen, die für die Fleischproduktion blockiert werden. Die Diskussion wird völlig falsch geführt. Viel sinnvoller ist es, weniger Fleisch zu essen! Aber der dumme Deutsche kann nur schwer auf seinen täglichen Fleischbatzen verzichten...
Ich biete euch folgenden Link an: http://de.wfp.org/hunger/hunger-statistik
Da erübrigt sich jede Diskussion ums Thema, nein da verschlägt es mir die Sprache !
Tank oder Teller. Kleinkarriertes Diskussionsfundament! Mir stellt sich die Frage nach einem nachhaltigen Bündnis gegen die, welche solche Katstrophen produzieren, dulden und/oder wegsehen. Stichwort
"Agrarsubventionen", Großgrundbesitzer mit entsprechenden Getreidesilos bestimmen die Preise, nicht die Warenterminkasper die glauben mit Zertifikaten irgendwelche Rechte ausüben zu können. Wenn sich die Silos schließen, macht kein Kontrakt mehr satt.
Fahren oder nicht fahren? Das ist nicht die einzige Frage.
Niemand bezweifelt, dass das Einsparen von Energie und im konkreten Fall Sprit die klimafreundlichste Variante ist. Und insgesamt auch die, mit der momentan am meisten bewegt werden kann.
Aber es löst das Problem nicht.
Erstens bekommt man die Menschen in ihrer Gesamtheit nicht wieder "zurück auf die Bäume bzw. in die Höhlen". Es gibt immer einige, die Verzicht predigen und ein paar weniger, die es auch leben. Aber die Mehrheit wird es kaum werden innerhalb einer Gesellschaft.
Außerdem wird es immer Fahrten und Verkehr geben, auf den nicht verzichetet werden kann. Private Autofahrten aus lauter Freude am Fahren nehmen sicherlich nur einen kleinen Anteil an allem Privat-, Dienst- und Güterverkehr ein. Und auch nicht für alle Privat- und Dienstfahrten stehen (momentan) öffentliche Verkehrsmittel als gangbare Alternative zur Verfügung.
Deshalb geht es nur zum Teil um Verzicht. Es müssen Wege gefunden werden, wie Konsumgewohnheiten der Mehrheit so verändert werden, dass sie mit einer nachhaltigen Entwicklung im Einklang stehen. Dazu gehören neue Verkehrskonzepte und alternative Antriebsmittel.
Wie ich in meinem Kommentar weiter unten ausführte, ist E10 für mich keine nachhaltige Alternative.
Tank oder Teller? Nein. Besser: Wie wollen wir morgen leben und uns morgen fortbewegen?
Was tun wir doch nicht alles, um unseren satten Bauch noch satter zu machen, unsere Bequemlichkeit noch größer werden zu lassen, unseren Reichtum weiter zu mehren ,unsere Habgier grenzenlos werden zu lassen. Und dann kommt plötzlich das Wort - Moral -, inzwischen schon in eine Ecke des Skurrilen gedrängt, oder zumindest nicht mehr - in- .
Nun beginnt die Diskussion, was können wir tun - aber bitte nur unter der Prämisse, daß es uns nicht an den persilgewaschenen Kragen, an das Auto, an den Geldbeutel geht. Also- der " Biosprit " eine geradezu perverse Möglichkeit , sein Auto zu betanken, muß weg. Und was kommt dann,- werden die freigewordenen Ressoursen gerecht verteilt ? Etwa an die " Entwicklungsländer " oder an die " 3. Welt " ?
Merken wir eigentlich noch, wie wir labern? Wie sich die Wirklichkeit der Weltsituation von uns entfernt hat.
Warum fallen mir dann immer Bibelworte ein.? Ach ja, das ist ja nun auch gar nicht mehr - in -
Ich bin also weder Bibelforscher noch halte ich an fundamentalistischen Dogmen fest, ich versuche nur, christlich zu denken . Und da fällt mir ein, daß wir die Schöpfung bewahren sollten, denn alle Menschen auf diesem Planeten wollen menschlich leben und auch die, die nach uns k ommen. Ich glaube, für dieses " Projekt " hätten wir genug zu tun und könnten aufhören zu labern.
www.youtube.com/watch?v=LFBijDU8PpE
Hallo,
die Diskussion zäumt das Pferd immer von hinten auf. Das liegt in der Natur der Sache.
Es geht nicht darum ob man Energie aus fossilen oder nachwachsenden Rohstoffen gewinnt, sondern darum ob wir bereit sind unsere Bequemlichkeit weiterhin mit einem exorbitanten Energieverbrauch zu fördern. Denn wo kein Bedarf an Energie ist wird auch kein Regenwald abgefackelt.
Einfaches Beispiel. anstatt mit Schafen, Ziegen und Gänsen unsere Wiesen zu mähen lassen wir sie lieber von Hunden zuscheissen und müssen sie dann mit benzingetriebenen Mulchern bearbeiten.
Die Klagen gegen lautes Hühnergackern sind die Ursache des Dilemmas.
Liebe Grüße Hendrik
Pflanzen im Tank? Da muss man nach Wirkungsgrad und Landnutzungskonkurrenzen fragen.
Zunächst möchte ich mich dem Wirkungsgrad von Energiepflanzen widmen:
Der Sachverständigenrat der Bundesregierung SRU weist in seinem Umweltgutachten 2012 (S. 241) darauf hin, dass der Wirkungsgrad der aktuell eingesetzten Biokraftstoffe bei 5% liegt - das heißt nur fünf Prozent der in der Pflanze gespeicherten Energie werden in nutzbare mechanische Energie umgewandelt. Bei Biokraftstoffen der zweiten Generation, die sich derzeit in der Forschungsphase befinden, wird der Wirkungsgrad bei (nur) 10% liegen. Wird die Biomasse im Elektromotor eingesetzt, steigt der Wirkungsgrad auf 35%.
Unter diesem Gesichtspunkt sollte man dann den Weltentwicklungsbericht der Weltbank aus dem Jahr 2010 (S. 54, 55) lesen: Biokraftstoff aus Mais in den USA z. B. verursacht höhere CO2-Emissionen und Gesundheitskosten als Benzin...
Zwischenergebnis: Bei einer fraglichen Ökobilanz (Umweltschäden vs. Umweltnutzen) wird aktuell bei Biosprit im Verbrennungsmotor ein Wirkungsgrad von 5% erreicht. Die Energie einer Pflanze, die nicht in tierische Produkte umgewandelt wird, sondern als Getreide etc. auf dem Teller landet, kommt Menschen zu 100% zugute.
Nun zur Landnutzungskonkurrenz:
Hochwertige Ackerflächen sind ein knappes Gut, d. h. es stehen weltweit nicht genügend Flächen zur Verfügung, um all das anzubauen, was jeder gerne möchte. Es ergeben sich Landnutzungskonkurrenzen. Perspektivisch werden sich diese durch fortschreitende Desertifikation verschärfen. Außerdem ist prognostiziert, dass aufgrund des Klimawandels die Erträge regional (z. B. um Nahen und Mittleren Osten) verringern werden.
Aufgrund des begrenzten Angebotes an Flächen sind diese bereits zu einem Spekulationsobjekt geworden (http://www.globalpolicy.org/social-and-economic...).
Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach Nahrungsmittelgetreide, auch weil sich die Konsumgewohnheiten in aufstrebenden Ländern ändern und dort mehr Fleisch nachgefragt wird.
Die Landnutzungskonkurrenz zwischen Energiepflanzen und Nahrungsmitteln verschärft sich in Zeiten großer Dürren, wie z. B. im Sommer 2012 (vgl. Weltbank, Weltentwicklungsbericht 2010: 163, 164). Auch wenn der Slogan „Tank oder Teller“ den Sachverhalt sehr verkürzt darstellt, verweist er jedoch auf die zugrunde liegende Problematik: Nur unter engen Voraussetzungen, die noch nicht erfüllt sind (vgl. WBGU 2008, SRU 2007), ist es ethisch vertretbar, knappe Ackerflächen für die Produktion von Energiepflanzen zu nutzen. Die eingeschränkt positiven Umweltwirkungen von Biokraftstoff (SRU 2012: 242) befinden sich in Zeiten von Dürren, steigenden Lebensmittelpreisen und dadurch ausgelöstem/verschärftem Hunger in verschärfter Konkurrenz zur Befriedigung der menschlichen Grundbedürfnisse.
Die Weltbank (Weltentwicklungsbericht) stellte fest, dass die Biokraftstoffpolitik der USA und Europas zu einem Anstieg der globalen Lebensmittelpreise geführt hat.
Biosprit oder nicht? Das ist keine Frage, die tagespolitisch je nach Wetterlage entschieden werden kann. Es hilft nicht, jetzt spontan auf die Dürre zu reagieren und einfach kein E10 mehr zu tanken. Die Ackerflächen sind von den Energiepflanzen belegt und diese können nicht einfach den Ärmsten dieser Welt auf den Teller gelegt werden.
Aber: Es sollte dazu führen, die Gesamtbilanz von Biosprit nochmals genauer zu untersuchen. Aufgrund der aktuell vorliegenden Berichte und Untersuchungen sowie aufgrund der zu erwartenden steigenden Nachfrage nach Nahrungsmittelpflanzen bei nicht vermehrbaren Ackerflächen und unter Berücksichtigung des minimalen Wirkungsgrades von Energiepflanzen im Tank halte ich es NICHT für vertretbar, diese in den Tank zu schütten.
Ich tanke aus diesem Grunde kein E10 - noch nie und werde es in absehbarer Zeit auch nicht tun.
Wenn ich mein ökologisches Gewissen beruhigen möchte, dann lasse ich das Auto stehen und nehme das Rad - das hat einen viel höheren Wirkungsgrad, insgesamt.
Im Netz:
SRU 2007: http://www.umweltrat.de/SharedDocs/Downloads/DE...
SRU 2012: http://www.umweltrat.de/SharedDocs/Downloads/DE...
WBGU 2008: http://www.wbgu.de/fileadmin/templates/dateien/...
Weltbank 2010, deutsch: +++ Link geändert - meinFIGARO-Team +++ http://www.klimawandel-bekaempfen.de/news0.html...
Fulltext english: http://web.worldbank.org/WBSITE/EXTERNAL/EXTDEC...
Wie können wir Nahrungsmittel für unsere individuelle Motorisierung nutzen, während andere Menschen hungern? Die Frage ist für mich nicht, wie der immer größere Hunger nach Energie gestillt werden kann, sondern, wie wir lernen, mit weniger auszukommen und das was wir haben gerecht zu verteilen. Wir machen uns Gedanken darüber, wie wir den ökologisch nicht vertretbaren Luxus des eigenen Pkw erhalten können und anderswo auf der Welt verhungern die Kinder? Unsere Wirtschaftsform mit ihrem Zwang zum Wachstum verheizt die knappen Rohstoffe, jetzt schon die Nahrungsmittel, rottet Tiere und Pflanzen aus und vermüllt und vergiftet die Erde, das Wasser, die Luft.
Der erste Schritt, den jeder selbst tun kann, ist schon mal ein Leben ohne eigenes Auto. Es geht!
das ist doch eigentlich eine sehr perfide diskussion: unmoralisch scheint mir eher der ständig steigende spritverbrauch zu sein!! und: würden im falle eines verbotes von sprit aus essbaren pflanzen diese nahrungsmittel wirklich in die hungerregionen verschenkt? oder würde etwas anderes angebaut?
wenn man die diskussion mit aller konsequenz weiterführen würde - wie sähe es da mit rote-bete- und spinatsaft zum stofffärben aus oder mit honig, milch, kokosöl usw. in badezusätzen oder mit reispapier?
Da sind sie, die Geister die wir riefen (sehr frei nach dem Zauberlehrling).
Der Mensch hat sich soviele technische Wunder geschaffen, kann er sie auch verantwortungsvoll benutzen? Ich denke nicht.
Es wird erst wieder zu Fuß gegangen, wenn alle Ressourcen aufgebraucht sind. Aber dann richtig.
Liebe Ulrike013 - Deine Hoffnung auf E-Autos ist sympathisch. Aber weißt Du, wie viel Unwahrheit und Täuschung in dieser Vision verborgen ist ? Die Energie (also "Strom") zum Betrieb dieser E-Autos wird doch bisher (!) auch aus AKWs, Erdöl, Kohle, Gas, -- ja auch potentiell aus Energie aus dem Acker erzeugt. Im Detail könnte man dadurch etwas gewinnen, wenn Kraft-Wärme-Kopplung die Verluste bei der Umwandlung der Quellenenergie (Primärenergie) in die genutzte Energie (z.B. im Fahrzeug) vermindert - bei dem Zauberwort E-Auto wird dies aber verschwiegen.
3 Punkte möchte ich beitragen:
(1) Der Raub an Nahrungsmitteln für viele (Ärmste der Welt) ) zugunsten zugunsten einer geringen Energieproduktion für wenige (Reiche der Welt) ist ein Verbrechen.
(2) Googelt mal die rational nachvollziehbaren Stellungnahmen von Chemie-Nobelpreisträger Hartmut Michel vom Frankfurter Max-Planck-Institut für Biophysik: weniger als 1 Promille der Sonnenenergie werden bei der Produktion von Biosprit ausgenutzt - verglichen von bis zu 20 Prozent bei der Umsetzung in Photovoltaik-Zellen. Das ist die 200-fache Ausbeute pro Fläche. Es gibt im Detail viele Faktoren, die diese Zahl nach beiden Richtungen modulieren, aber als Basis stimmt sie so.
(3) Der Hinweis von annabolika auf das Modell des Negativ-Zins ist nur allzu berechtigt. Das gewohnte und für unabänderlich tradierte System der Zinseszins-Wirtschaft muß als ein Übel bewußt b werden. Und Wege gesucht, um uns daraus zu befreien (Stichwort: Freiwirtschaft).
hoffentlich ist der Mensch bald so weit, nur noch mit E-Auto`s zu bauen.........................ich find die Widersprüche um dieses Thema erschreckend, aber für die Menschen die Über Wohl und Weh des Welthungers entscheiden, ist Ethanol auch ein Nahrungsmittel :p (ich denke jeder weiß wie ich diese Metapher gemeint habe)
joleba hat Recht, aber ich möchte dazu ergänzen, die wirkliche Schuld der Armut liegt im Geldsystem begründet, also im herrschenden Zinseszinssystem. Die Reichen werden notwendigerweise ohne Mühe immer reicher auf Kosten der Armen, die diesen Reichtum erarbeiten müssen. So sind Ungerechtigkeiten und letztlich Kriege vorprogrammiert, weil irgendwann die Rechnung nicht mehr aufgehen kann. Zins muss erarbeitet werden und mehr und mehr und mehr und immer mehr. Die Zeit wird bald reif sein für ein Umdenken in ein anders Geldsystem-fließendes Geld oder rostendes Geld- Negativzinsen ect. - Silvio Gesell war der Erste, der diesen genialen Gedanken niedergeschrieben hat. Sein Buch "Die natürliche Wirtschaftsordnung" zu lesen, dies lohnt sich- als Kulturtip!
Natürlich gehört Nahrung nicht in den Tank.
Nur, wer denkt, dass das Bioethanol für die Armut verantwortlich ist,
der sitzt einer Finte auf. Er rutscht sozusagen auf einer hässlichen Schleimspur. Glaubt ihr, Herr Niebel will die Armut bekämpfen? Ich denke, Nebel nichts als Nebel.
Gründe für die Armut: u.a. die Art und Weise wie die Grundlage für das Bioethanol produziert wird (Auslöschung der Kleinbauernstruktur). In Europa und den USA werden riesige Nahrungsüberschüsse vernichtet. Riesige fruchtbare Ländereien werden von Kapitalgesellschaften gekauft, der lokalen Nahrungsproduktion entzogen, wegen Renditechancen für Anleger. Billige Nahrung wird auf den afrikanischen Markt geworfen und zerstört die Chancen der einheimischen Produzenten usw.
Nahrungsmittel gehören nicht in den Tank und erst recht nicht wenn Menschen vor Hunger Sterben müssen... In meinen Augen ist das ist wirklich eine Schande das es so etwas gibt und ich hoffe das bald ein umdenken stattfinden würd...
Essen auf Rädern.
Bio-Ethanol ist in keinster Weise moralisch vertretbar.
ich fand auch von Anfang an dass Nahrungsmittel nicht ins Benzin gehören
es ist ein Frevel an der Mutter Natur etwas Essbares durch den Motor zu jagen
moralisch Handeln kann man wohl immer
aber um überhaupt zu leben braucht man zuerst was zu Essen und Trinken
bei uns werden viele Nahrungsmittel weggeworfen und in anderen Teilen der Welt gehungert
vielleicht brauchen wir nicht nur die USA und das vereinigte Europa nein wir brauchen eine vereinigte Welt
na der hat Ideen
Zwei Sprüche zum Nachdenken dazu:
1. Zuerst kommt das Fressen, dann die Moral. Stimmt das noch? Vielleicht neu: Erste kommt der Sprit, dann das Fressen und später die Moral.
2. Als Kinder hat man uns beigebracht: Du sollst nicht mit dem Essen spielen (als Hochachtung vor dem gedeckten Tisch). Heute: Du sollst es nicht verbrennen?
Wir sind am langen Hebel, hier in dieser westlichen Marktwirtschaft. Ob Bio-oder Erdöl-Sprit, wir beeinflussen und zerstören schlußendlich auch den Kreislauf der Natur und somit ein ansatzweise gleichberechtigtes Miteinander - weltweit.
Vielleicht sollten wir uns mal überlegen, ob jeder Steuerzahler, egal ob mit oder ohne oder vielen Autos, ein monatliches Kontingent an Sprit-Bons beziehen kann zu einem, auch monatlich, festgesetzten Preis (wer kann sich an die Sprit-Bons erinnern in den 70-ger Jahren?) und wenn er mehr braucht, dann muß er bedeutend mehr zahlen und auch da gibt es eine Bezugs-Grenze. Das klingt im ersten Augenblick ungerecht, denn scheinbar und anscheinend könnten sich dann nur Wohlhabende, längeres Autofahren erlauben. Aber wenn diese zusätzlichen Einnahmen an die Entwicklungshilfe der Länder weitergeleitet würden, die so sehr von den Konsequenzen der marktbestimmenden Gesellschaften betroffen sind, wäre zumindest ein klitzekleiner Ausgleich möglich. Vielleicht.
Denn seien wir uns im Klaren und ganz ehrlich unserem Konsumverhalten gegenüber: mit freiwilligem Verzicht kann niemand rechnen. Es müßten sonst autofreie Tage eingeführt werden, alles anderes ist vergebene Liebesmüh.
Wir haben Autos und wenn der Sprit auf die damals als Horrorvision beschrieenen 5 Mark ansteigt, wird trotzdem weiter Auto gefahren. Unsere Gesellschaft hat ihr Funktionieren darauf aufgebaut.
Der öffentliche Transport wird immer teurer, er bedient immer weniger entlegene Orte, ist unzuverlässig und für individuelle Bedürfnisse schwer anpassbar.
Wir haben angeblich mehr Zeit und in Wahrheit immer weniger Zeit. Auch das ist ein Grund, sich ins Auto oder Flugzeug zu setzen und nicht in Zug oder Bus. OB es wirklich zeitsparender ist, zumindest auf kleineren Strecken, wäre zu klären.
Fazit: ob Bio-Sprit oder Erdöl-Tankfüllung. Wir (es mag vereinzelte Ausnahmen geben) gebrauchen das Auto, brauchen es meist sogar und wenn nicht, so sind die Länder weit, so weit, in denen Menschen vor Hunger oder Krieg sterben, damit unser Auto sich bewegt.