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Max_Waibel_FIGARO 24. April 2012 · 13:03 Uhr 554 mal aufgerufen
Kategorie: Gesellschaft

Phantomschmerz: Mir fehlt mein Auto

Oh Auto, mein Auto. Ich vermisse Dich. Ja, ich vermisse Dich. Nach einigen Jahren der Autolosigkeit kann ich es gestehen. Du warst meine Freiheit, meine Bequemlichkeit, mein Rückzugsort, mein privates Abteil, mein Depot für Beigaben, mit denen der Tag einfach lebenswerter war. Anfangs war es nur ein Phantomschmerz, als Du nicht mehr da warst. Gelindert von der Bewunderung anderer, die in Hymnen die Autolosigkeit feiern.

Ja, Auto, mein Auto, ich habe Dich und unsere Beziehung verraten. Ich habe behauptet, dass es ohne Dich genauso gut ist wie mit Dir. Heute gehe ich für jede Flasche Mineralwasser extra in den Supermarkt, wo Du mir früher deinen Kofferraum als Lagerbasis offeriertest. Heute muss ich herausfinden, wie ich abends heimwerkelnd noch an eine Schraube oder Nägel aus dem Baumarkt komme, denn in der Stadt gibt es so etwas heutzutage nicht mehr.

Oh Auto, mein Auto, ich war wie amputiert und merkte es nicht, da ich Fahrkarten organisieren, Verbindungen planen und auf die Bahn warten musste. Heute fahre ich auf Schienen, wo ich früher einer Eingebung folgend, einfach abbiegen konnte. Das ziellose, dafür aber nicht weniger lustvolle Herumkreuzen, habe ich eingetauscht gegen die planvolle Abfahrt, Ankunft und ungeplante Umstiege. Abends kamen dann die Gedanken. Du schobst Dich in meine Träume und setztest Dich an die Spitze eines Zuges. Schweißgebadet erwachte ich, als der Zug die Schienen verlassen und auch mal abbiegen wollte.

Oh Auto, mein Auto. Du warst meine Insel. Mein Refugium, mit meinen Gerüchen, meinen Geräuschen, meiner Musik. Gesteuert von mir in den Wellen von anderem Blech.

Oh Auto, mein Auto, verzeih mir. Sei nachsichtig, dass ich Deinen Verlust nicht schon früher beklagt habe. Ich hänge immer noch an Dir, gehöre immer noch der großen Familie der Autofreunde an. Ich kann es beweisen. Auch nach vier Jahren meiner Autolosigkeit habe ich die Mitgliedschaft beim ADAC nicht aufgegeben.

Programmhinweis: Am Dienstag, 24.04.2012, ist bei MDR FIGARO Thementag: "Abschied vom Auto: Endlich richtig leben?"

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exUser 26. April 2012 · 12:14 Uhr

Ich wills nochmal ergänzen und die Beispiele aufgreifen, die angesprochen werden:

Der Einkauf der täglichen Lebensmittel findet hier 2 Dörfer weiter - 5 km Entfernung - statt. Wenn es geht in Verbindung mit anderen Erledigungen in diesem Ort und natürlich nicht für jede Flasche Mineralwasser (ist nicht ein WasserMax, oder wie sie alle heißen, eh viel sinnvoller??) separat, sondern mit gefülltem Kofferraum.
Der Baumarkt ist ca 20 min (mit dem Auto), 15 km entfernt ... Ein paar Schrauben ließen sich mit dem Bus transportieren, wenn es ihn denn gäbe. Allein: es gibt ihn nicht. Von größeren Dingen wollen wir nicht reden... Neulich brauchte ich Spielsand für die Sandkiste: pro Sack 25 kg ....

Als Alternative wird die Bahn erwähnt... Ja, es gibt sie, die Schwarzatalbahn - eine wahre Sehenswürdigkeit für Nostalgikger!!! Aber für den täglichen Gebrauch?? Hier sind es zunächst etwa 5 km und ca. 300 Höhenmeter, die uns vom Bahnhof trennen. Der Fußweg steil durch den Wald. Bis zum nächsten Bahnhof mit Fernreiseverkehr fährt man etwas mehr als eine Stunde ....
Busse?? Für den Schülerverkehr geht das... aber sonst??

Ich kanns nur wiederholen: Es ist liest sich immer sehr sehr nett, wenn vom Leben ohne Auto geredet wird, aber für Menschen, die abseits der größeren Städte leben, ist das mehr als lebensfremd.
Wir müssen als Familie mit zwei Kindern und meinem Beruf immer stärker darüber nachdenken, ein zweites Fahrzeug anzuschaffen ...
Es braucht dringend sinnvolle Mobilitätskonzepte für die vielen Menschen, die auf dem Land leben!! Dieses Thema vermisse ich auch in den Medien sehr sehr schmerzhaft!!

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rotelocke 25. April 2012 · 16:04 Uhr

@Max_Waibel_FIGARO .. das ist mal ein sehr schöner text ...

und ich kann ihn gut nachfühlen ....

viele lange jahre hatte ich ein auto. lebte ländlich und flexiebel in alle richtung .ein leben ohne auto . unvorstellbar
seit einigen jahren lebe ich in der stadt, ein langer traum .. kann mich ins nächste cafe rollen und habe alles in kurzer zeit zur hand .. ich brauche kein auto mehr und habe auch, seit ich hier lebe, kein auto .. ich bin auf mein fahrrad gestiegen und habe diese freiheit kennengelernt. so ich früher dachte, wie anstrengend, vermisse ich die bewegung wenn ich sie für ein paar tage nicht habe, wie im winter. manchmal möchte ich mir den gurt überschnallen .. auf dem rad :))
aber das fahren mit dem auto vermisse ich ... und manchmal, wenn ich mit meiner freundin irgendwohin fahre, da fahre dann ich :)) .. was für ein spass
manchmal doch . da fehlt es mir, mein auto

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exUser 25. April 2012 · 00:10 Uhr

Naja, ich laufe alles, was ich zu Fuß innerhalb einer halben Stunde erreichen kann. Für weitere Strecken nehme ich dann auch Bus oder Bahn. Ein oder zwei mal im Monat nimmt mich mein Vater mit zum Einkaufen, da hole ich dann ein paar Sachen, die ich sonst nicht tragen könnte, aber im Großen und Ganzen komme ich wunderbar zurecht.

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magentis1984 25. April 2012 · 00:06 Uhr

Und Was die öffentlichen Verkehrsmittel betrifft:

Jemand, der bspw. mit der StraBa vom Erfurter "Wiesenhügel" in die Innenstadt fährt, braucht bis zu 30 Minuten.

In 30 Minuten bin ich mit dem Auto von Bad Berka in die Erfurter Innenstadt gefahren!
Und in 34 Minuten nach Erfurt Gispersleben!

Nicht auf Dich bezogen, Dani!

André.

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exUser 25. April 2012 · 00:00 Uhr

Ich habe noch nie ein Auto gehabt und ich will auch keins.

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magentis1984 24. April 2012 · 23:55 Uhr

Eigentlich wollte ich Nichts dazu schreiben, aber ich bin ein Erwachsener mit 82.000 km (9 Jahren) PKW-Erfahrung und kann auch mal Was dazu sagen.

Als ich diesen Artikel hörte, fand ich die Beschönigung des Autoverzichts auch sehr befremdlich. Wie weit leben solche Menschen eigentlich in der Realität? Ohne, dass ich jetzt Jemandem zu nahe treten will.

Hier in Thüringen fährt JEDER, Der es sich nur irgenwie leisten kann/will mit dem Auto. Die noch vorhandenen Omnibusse fahren fast leer durch die Gegend, zum Teil auch die Bahn. Hier ist fast Alles ländlich.

Von West nach Ost verläuft die Thüringer Industrieachse an der Eisenbahn (Eisenach bis Unterwellenborn). Ich wohne glücklicherweise direkt an dieser Achse und habe keine Probleme, bin daher Versorgungs-verwöhnt.

Wer aber nördlich und südlich der Ballungsgebiete wohnt, ist ohne Auto organisatorisch am A....! Und was die staatliche Gesundheitsversorgung betrifft, sind auch Diejenigen MIT Auto angesch......, denn von allgemeiner Versorgung kann bei allem Respekt ja wohl keine Rede mehr sein. Die müssen sonst wie weit und lange fahren.
Ich habe alles Medizinische, was man mal brauchen könnte im Ort und im Umkreis von 15 km, kann ich mit Auto (15min), Bus (20min) oder Bahn (30 min) fahren.
Nur, um es mal zu verdeutlichen!

Aber es ist eben einfach eine Sache der Standpunkte. Was will ich?

Ich als Pragmatiker möchte jedenfalls auf KEINEN FALL mit den nördlichen oder südlichen Thüringern tauschen. Planen, Wann, Wo ich zum Einkaufen fahre, "am Besten" noch mit öffentlichen Verkehrsmitteln! Wo ist denn da die Lebensqualität??? Da hätte ich ja spätestens in drei Jahren mit 30 weiße Haare und die werden so schon langsam grau. ;-) Nur noch für meinen Haushalt "funktionieren", nein danke!
Als Desastersteigerung dann vielleicht noch ein oder zwei Kinder dazu und die Tage mit Kinderarztbesuchen verplanen, weil die Kleinen Pupser Heutzutage bei jedem Staubkorn gleich umfallen, na super!

Aber es ist einfach der Frage der persönlichen Standpunkte.
Da ich grundlegend auch nicht gerade der menschenfreundlichste Typ bin ("Der Mensch ist eben auch nur eine biologische Masse."), wären öffentliche Verkehrsmittel für mich von Vornherein eine radikale Minderung der Lebensqualität und organisatorisch sowieso.
Und was meine Hobbybereiche betrifft, wäre der Verzicht auf den PKW de facto die absolute BEENDIGUNG dieser Aktivitäten und meiner Ambitionen/Motivationen. Ich würde mich selbst meiner Freiheit und meiner besten Jahre berauben!
Keine Frage, diese Treibstoffpreise sind absolut geisteskrank. Seit 2003 (Benzin 1,00 EUR) eine Steigerung von 70 PROZENT!
Aber dafür verprasse ich auch kein Geld für tägliches Nikotin und jammere dann über den Sprit. ;-)

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exUser 24. April 2012 · 21:58 Uhr

Es mag für die Bewohner größerer Städte völlig problemlos sein, ohne Auto zu leben. Auf dem Lande, wo ein großer Teil der Einwohner Mitteldeutschlands lebt, ist es nicht vorstellbar, auf das Auto zu verzichten: Der Arzt 2 Orte weiter, ebenso Supermarkt und oft auch die KiTa und die Post ...
Es klingt für mich immer wie fromme Lyrik, wenn ich die Lobgesänge auf die autofreie Welt lese - es ist lebensfremd für sehr sehr viele Menschen, solange nicht auch wirklich Mobilitätskonzepte für die großen Flächen außerhalb der Metropolen geredet wird!

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Elevin 24. April 2012 · 20:16 Uhr

Wenn ich nicht in dieser tiefen Provinz leben würde ,würde ich diesen Phantomschmerz gut aus halten.So aber muß ich die "Schmerzen " eines Autohalters ertragen....

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bettinabauch 24. April 2012 · 15:27 Uhr

Also, ich würde Leitungswasser trinken :-)

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